Beobachtungsbericht der Saturnbedeckung vom 1.12.2001

Instrumente: 2,5" f/13,3 Zeiss Refraktor, Logitech Quickcam Pro 3000 

Zeit: 0.00 Uhr - 3.50 Uhr

Bedingungen:

Gegen 0 Uhr verzogen sich über Westbrandenburg endlich die dicksten Wolken. Übrig blieb eine hauchdünne Wolkenschicht, die die visuelle Grenzgröße auf 0m5 reduzierte. Trotzdem war es eine klare und sehr kalte Nacht - selbst das Seeing war passabel, und so hoffte ich auf größere Wolkenlücken. 

Beobachtung

Dies war der Star des Abends - der Vollmond, genau zu 100% beleuchtet. Es ist schon der reine Wahnsinn, welche Zufälle zusammen treffen müssen, das der Mond Saturn bedeckt. Heute sollten sich fast alle Bedingungen als gegeben darstellen - einzig der Eintritt am hellen Mondrand macht die Fotografie des Ereignisses sehr schwierig.

Diese Aufnahme wurde am 40mm Okular mit der Quickcam projeziert. 

 

Zuerst mußte ich mir die Zeit noch etwas vertreiben, was gut zum testen und justieren der Ausrüstung genutzt werden konnte.

Theta Tauri - ein einfacher Doppelstern für das bloße Auge war erstes Testobjekt. Die 5,5' trennen auch weniger gute Augen noch ohne Probleme. Da der Stern allerdings sehr nahe beim Mond stand, war die nicht möglich, da er überstrahlt wurde. Der Stern ist ein Mitglied des offenen Sternhaufens der Hyaden. Besonders schön ist, das der geringe Helligekitsunterschied auf der Aufnahme wiedergegeben wird. Er beträgt nur 0,4 mag. 

 

Vesta - der Asteroid mit der Nummer 4 kann von allen Mitgliedern des Asteroidengürtels die größte Helligkeit erreichen. Er stand wenige Tage vor Beobachtung in Opposition, und ist bei guten Bedingungen sogar dem freien Auge zugänglich. Die Aufnahme entstand per Projektion am 40mm Okular. Vesta zeigt sich nur als schwaches Sternchen - kein Wunder, bei einem Scheibchendurchmesser von nur 0,81"!

 

Saturn - ....zum ersten. Er war ja der heimliche Star des Abends, aber noch hatte die Vorstellung nicht begonnen. Zeit genug, um einige Aufnahmen zu erstellen - das Ergebnis ist, wie ich finde umwerfend, wenn man bedenkt, dass es mit einem kleinen 2,5-Zoll-Refraktor entstand! Klar und deutlich ist die abgeplattet Planetenkugel mit dem charakteristischen Äquatorwolkenband zu erkennen. Der Ring ist gut als freischwebend zu erkennen ..und...ENDLICH...nach zig Versuchen hab ich endlich die Cassiniteilung erwischt! Sie ist zwar nicht durchgehend, wie auf Bildern mit großen Teleskopen, aber an den Rändern ist sie schon gut vorhanden! Zudem entstand dieses Ergebnis durch die dünne Wolkendecke und wurde vom Balkon (schlechteres Seeing) gemacht. Ich denke, nun stoße ich wirklich an die Grenzen des machbaren mit dem kleinen 2,5-Zoller.

Jupiter - Der Gasriese strahlte ohne Probleme durch die dünnen Wolken. Die Monde waren im Teleskop auch gut aufzufinden. Die Fokalaufnahme, die per Image-Stacking aus 120 Einzelbildern entstand, zeigt schon viele Details. Bei genauer Betrachtung zeigen sich mindestens 4 Wolkenbänder, und als Bonus der GRF (Großer Roter Fleck) die sich von Süden in das SEB einschwiegt.

 

Mond - Dann wurde noch ein Fokalmosaik des Vollmondes angefertigt. Dazu wurden mindestens 20 Einzelbilder verwendet!

Dann war die Zeit reif, für eine kurze Pause, und sie Besinnung auf das, was gleich ablaufen sollte.


Saturnbedeckung durch den Mond

Im Grunde handelt es sich hierbei um ein, in unser Sonnensystem versetztes Modell eines optischen Doppelsternes zu tun. Den es ist ja eine reine Optische Täuschung, das der Mond Saturn verschlingt. Saturn ist ja wesentlich großer als der Mond, und sein Ringsystem nimmt ja schon fantastische Ausmaße an, wenn man bedenkt, das die Planetenkugel von Saturn nicht all zu viel kleiner ist, als die von Jupiter.

Das war die eine Gedankenspielerei - die andere hatte eher etwas mit nüchterner Beobachtungstechnik zu tun. Es konnten noch viele Missgeschicke passieren. Bedenklich wurde zunächst, das die Saturn-Mond-Konstellation bedenklich schnell aus meinem Sichtbereich Richtung Süden entschwinden wollte. Die Bedeckung sollte laut Berechnung knapp an der Westkante der Balkonwand stattfinden.

 

1.41 Uhr - Die Begegnung rückt näher

1.41 Uhr: Saturn ist noch recht weit vom Mondrandentfernt. Es gelingt kaum, beide gleichzeitig ins Blickfeld des 40mm Okulars zu bringen. Trotzdem gelingt die Projektion! Alles läuft nach Plan. Der Himmel ist nun vollständig aufgeklart.

3.23 Uhr - Abstand vom Mondrand 6' = 1/5 Monddurchmesser

3.23 Uhr: Mondrand und Saturn passen ins selbe Gesichtsfeld der Fokalaufnahme. Leichte Wolken sind aufgekommen, und machen die Belichtungseinstellung zum Glücksspiel. Saturn ist nur noch knapp von der Balkonwand entfernt!

3.27 Uhr - Abstand vom Mondrand 4'

3.27 Uhr: Ich verringere kurzzeitig die Belichtung, um die mögliche Eintrittsstelle sichtbar zu machen. Sie scheint etwas nördlich der beiden dunklen Krater Grimaldi und Riccioli zu liegen!

3.32 Uhr - Abstand vom Mondrand ca. 2,5'

3.32 Uhr: Trotz Bewölkung sind jetzt optimale Aufnahmen möglich. Gutes Belichtungsverhältnis für Saturn aufgefunden. Die Spannung steigt immer weiter.....dann...kleine Katastrophe ...der PC stürzt ab. Blitzschnell Neustart.... Beruhigung. Alles in Ordnung...

3.36 Uhr - Abstand vom Mondrand ca. 60"

3.36 Uhr: Die Bewölkung nimmt weiter zu. Saturn steht bereits ganz dicht neben der Mondkante. Es gibt nun wirklich einen wunderschönen Anblick auf dem Monitor. Schade, das die Webcam das Okular belagert.

Dann traten drei Katastrophen auf einmal ein:

1. Der PC verabschiedete sich kurz vor der Bedeckung erneut.

2. Der Mond hat die Balkonwestwand erreicht, und wird gleichfalls von dieser bedeckt. Also Teleskop bis auf ein Maximum an die Balkonwand drücken und hoffen, das es genügt.

3. Dickere Wolken weben sich in die zarten Wolkendecke ein, und schwächen den Mond.

Da heißt es, kühlen Kopf bewahren, und schnellstmöglich alle Probleme aus der Welt schaffen. :-)

 

3.38 Uhr - Beginn der Bedeckung der Planetenkugel

3.38 Uhr: Schade - den Beginn der Bedeckung hab ich verpasst, und dann auch noch vergessen, die Automatische Belichtung auszustellen. Trotzdem fand ich diese Aufnahme dafür noch recht gut gelungen.

 

3.38 Uhr - Beginn der Bedeckung der Planetenkugel fast vollständig

3.38 Uhr: Jetzt geht alles sehr schnell. Erstaunlich und begeisternd anzusehen!

 

3.39 Uhr - Nur ein Teil der Ringe schaut noch an der Mondkante vorbei

3.39 Uhr: Die Eintrittsstelle wirkte ziemlich eben. Schon anzusehen war der Moment, als nur mehr die Ringe an der Mondkante vorbei schauten. Langsam macht die Aufregung dem Glücksgefühl Platz. Ein wirklich wunderschönes Ereigniss!

Fazit: Nach dem bereits die Sonnenfinsternis (war hier nicht einmal total) und zwei Mondfinsternisse wegen Wolken von Brandenburg aus kaum oder gar nicht zu beobachten waren, und auch die letzte Mondbedeckung hinter Wolken endete, war dies doch Entschädigung für alles. Aber die nächste Saturnbedeckung werde ich garantiert visuell verfolgen - nur zum fotografieren ...dafür ist dieses Schauspiel einfach viel zu schön. 

Clear skies!


Deep-Sky und Planetenbeobachtung mit kleinen Teleskopen: www.Serifone.de

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