Halbschattenfinsternis des Mondes am 20.11.2002

Instrumentarium: - 2,5" f/13,3 Zeiss Refraktor, 8-24x50 Fernglas, Logitech Quickcam Pro 3000
                                 
Beobachtungsort:
Mittelmark/Land Brandenburg auf 52,4° n.B.


Zeit: 00.30 Uhr - 03.00 Uhr

In der Nacht vom 19.11 zum 20.11.2002 ereignete sich eine, von Mitteleuropa gut sichtbare Halbschattenfinsternis des Mondes. Anders als bei der Halbschattenfinsternis am 24.06.2002, die ich ebenfalls beobachtete, trat der Mond dieses Mal fast vollständig in den Halbschatten ein, und es sollte zumindest eine leichte Abschattung an einer Seite des Mondes - der so genannte "graue Mond" - erkennbar sein.

Erste Blicke auf Vollmond und Saturn

Nachdem die Leoniden mir in der Nacht zuvor entgangen waren, und selbst der geplante Wolkenausbruchsversuch Richtung Nordprignitz abgesagt werden musste, war der Himmel heute exzellent. Kein Nebel, exzellente Durchsicht, aber dafür eisige Temperaturen und starke Szintillation. Trotzdem begann ich mit den Aufnahmen zum ersten Mondmosaik.

Der Vollmond als Webcam-Mosaik mit dem 2,5"-Refraktor - aufgenommen vor 1.00h

Da ich noch genügend Zeit hatte, und der Mond keine ungewöhnlichen Verdunkelungen zeigte, obwohl er schon zu 1/3 im Halbschatten der Erde lag, gönnte ich mir einige Blicke Saturn. auf Saturn. Schnell war klar, heute ist nicht die Nacht der hohen Vergrößerungen. Nur in wenigen ruhigen Momenten zeigten sich im Refraktor bei 84x Cassini-Teilung und verschiedene Strukturen auf der Planentenoberfläche. Ich entschloss mich einige Übersichtsaufnahmen zu erstellen - einmal mit optimaler Belichtung für den Planeten, und einmal mit 1/5s Belichtung/Bild was das Maximum für die Quickcam darstellt. Zu meiner Überraschung zeigten sich auf den langen Belichtungen sofort 4 Saturnmonde. Visuell war wegen des hellen Mondes, der sich etwa 30° entfernt befand nur Titan erkennbar.

Komposit aus 2 Belichtungen mit der Quickcam am 2,5" Refraktor

Im folgenden ist die Aufnahme noch einmal beschriftet. Es zeigte sich eine überraschend schöne Viererkette aus 3 Monden und einem Stern, direkt nördlich von Saturn. Der riesige Mond Titan steht in deutlicher Distanz am linken Bildrand. 

Die Finsternis

Etwa eine halbe Stunde vor der Finsternismitte, die etwa um 2.45h erreicht wurde, war dann die Abschattung des nördlichen Mondrandes schwach mit bloßem Auge wahrnehmbar. Dies äußerte sich mit dem sichtbar werden, von Details an der abgeschatteten Mondseite, während die andere so hell strahle, das es schon zu stark blendete, und man nur mit zusammen gekniffenen Augen noch Einzelheiten wahrnehmen konnte. Die Durchsicht war heute tatsächlich äußerst gut und der Vollmond strahlte dementsprechend hell. Um die Finsternismitte herum war im Teleskop dann deutlich die Abschattung erkennbar. Jedoch überraschte mich die Farbe - der Nordrand des Mondes wirkte tatsächlich in ein mattgraues Licht getaucht, das sich in Richtung zur anderen Seite langsam verlor. Ich hatte eine einfache Abdunkelung erwartet.

Leider war das Seeing sehr schlecht, und ich musste über 5000 Bilder mit der Quickcam aufnehmen, bis ich überhaupt halbwegs brauchbares Material für ein erneutes Mosaik zur Verfügung hatte.  

Der Mond um 2.45h gegen Finsternismitte mit dem 2,5" Refraktor und der Quickcam

Nach den Aufnahmen gönnte ich mir noch einige Blicke auf den Erdtrabanten, bevor ich durchgefroren abbaute. Sicherlich - kein spektakuläres Ereignis aber doch eine interessante Erfahrung. Halbschattenfinsternisse mit weniger als der heutigen Eintrittsphase sind wohl wenig lohnend - so viel steht fest. Nach einem letzten Blick auf den brillianten Winterhimmel, der sich mit den beiden Gasriesen Saturn und Jupiter garniert zeigte, war diese Nacht beendet. 

Die nächste (dann totale!) Mondfinsternis ereignet sich übrigens am 16.05.2003 in den frühen Morgenstunden, ist jedoch von Mitteleuropa nicht optimal beobachtbar.

Clear Skies
Matthias Juchert


Visual Deep Sky Observing and CCD-Imaging: www.Serifone.de

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