Beobachtungsabend vom 4.11.2002

Instrumentarium: - 8" f/6 Meade Starfinder mit 40mm, 25mm,12,4mm und  6,4mm Okularen + UHC-Filter
                                 
Beobachtungsort:
Land Brandenburg auf 52°19' n.B. - 50m über Meereshöhe

Bedingungen: Eisige Temperaturen und eine mittlerweile gefrorene Schneedecke von 5cm konnten mich nicht davon ab halten, wieder zu meinem Beobachtungsplatz aufzubrechen. Bei -7°C auf dem Feld, war es so kalt, daß sich jegliche Feuchtigkeit sofort auf dem Tubus in Form einer kleinen Reifschicht niederschlug. Leider hielten sich auf dem Feld dicke Nebelfelder, die doch in einige Meter Höhe reichten, und z.B. Richtung Süden alles unterhalb des Orion verschluckten. 


Beobachtung:

Zeit: 22.00 Uhr - 00.30 Uhr

Die Umgebung zeigte, aufgehellt vom Schnee einen völlig neuen Charme. Aufgrund des Nebels musste ich mein Horizontprogramm streichen, aber immerhin kam ich endlich einmal dazu, den nördlichen Cygnus und den Übergang zum Cepheus, unter die Lupe zu nehmen.

Alte Bekannte in der Cepheus-Milchstraße

Diese Region hatte ich mit dem 8" noch nie besucht. Aber einige Beobachtungen mit 2,5" Refraktor waren mir noch lebhaft in Erinnerung...

NGC 6939 (Oc) (Cep) 7,8mag

Sofort bei 50x als Nebel mit wenigen durchsetzten Sternen zu erkennen. Wunderbar eingerahmt von 3 helleren Sternen. Erst bei 190x mit indirektem Sehen in viele Sterne aufgelöst. Etwa 30 - 40 erkennbare Mitglieder habe ich gezählt. Einer davon hebt sich deutlich ab - dieser hat die 11. Größenklasse. Die anderen sind deutlich schwächer. Recht kompakt aber ohne Zentrum. Die Sterne sind gleichmäßig in einer ovalen Form verteilt.

NGC 6946 (Gx) (Cep) 8,8mag

Sehr schwache Galaxie - bei 50x noch im Feld mit NGC 6939. Anfangs nur indirekt wahrnehmbar, mit Adaption dann aber auch direkt. Ziemlich großes schwaches Oval ohne Zentrum. Erst nach längerer Betrachtung vermute ich eine hellere Stelle die in Richtung Süd auf einen helleren Stern weist. Dies entpuppt sich bei dem Blick aufs DSS-Bild als Zentralgebiet der Galaxie. Sonst strukturlos.

Dann ein schwacher und sehr großer Nebelkomplex...

Trumpler 37 (Oc) (Cep) 5,1mag

Vom sehr rötlichen "Granatstern" aufgesucht. Wirkt wie eine sehr große lockere Sternwolke. Selbst bei 30x nicht abgrenzbar und noch größer als das Gesichtsfeld. Der Haufen ist einfach mit bloßem Auge als großer Nebelfleck zu sehen. Markantestes Detail ist noch eine sehr helle Sternkette, die sich locker quer in O-W-Richtung durch den Haufen zieht. Im Zentrum steht ein nettes Dreifachsystem.

Struve 2816 A-C/D (Ds) (Cep) 11,7"/20"

Hübscher Mehrfachstern im Zentrum von Trumpler 37. Schon bei 30x in 3 Komponenten getrennt. Der zentrale Stern ist etwa 5,5mag hell während die Begleiter die 7. Größe haben. Die Begleiter stehen sich nicht genau gegenüber.

IC 1396 (Gn) (Cep) 3,5mag

Sehr sehr schwaches Nebelfeld - mit UHC bei 30x nur phasenweise vermutet. Es umgibt Trumpler 37, und soll laut Karte noch größer sein als dieser. Die einzigen Details die ich erhaschen kann sind einige Dunkelnebel - sonst ist der Nebelkomplex nicht wahrnehmbar.

Galaktische Juwelen im Schwan

Auf diese Region bin ich erst nach der Lektüre einer älteren IS-Ausgabe aufmerksam geworden. 2 sehr unbekannte Sternhaufen im Schwan waren hierbei Objekte der Saison. Es brachte tatsächlich sehr viel Spass, diese Objekte genauer unter die Lupe zu nehmen.

NGC 7127 (Oc) (Cyg) 10,0mag

Nett! Bei 30x bereits als winziges Nebelknötchen erkennbar. 190x ist für die optimale Beobachtung sinnvoll. Dabei konnte ich nette Figuren in einem recht sternarmen Haufen erkennen. Die 5 hellsten Sterne bilden ein markantes "X", das tatsächlich wie die "5" auf einem Würfel ausschaut. Mit indirektem Sehen sind 11-12 Sterne wahrnehmbar.

*Bei 30x kann ich auf gleicher RA, jedoch 1° südlicher bereits den Vergleichskandidaten erkennen* 

NGC 7128 (Oc) (Cyg) 9,7mag

Bei 30x deutliches helles Nebelchen mit einem hervorstechenden hellen Stern. Genauso winzig wie NGC 7127. Bei 190x wird es sehr spannend. Jetzt scheint das markanteste Detail des Haufens ein Ring mit hellen Sternen zu sein, wobei sich der bei 30x erkannte Stern am Südende befindet. Im NW des Haufens ist schwach aber erkennbar der Doppelstern HJ 3058 mit einem 11m und einem 12m-Stern in 8,7" Distanz zu erkennen. Bei genauer Betrachtung und indirektem Sehen erscheinen besonders am Nordrand viele schwache Sterne die teilweise nicht auflösbar sind. Insgesamt konnte ich 15 Sterne deutlich zählen. Der Haufen ist viel sternreicher, als NGC 7127.

NGC 7008 (Pn) (Cyg) 12,0mag

Einer der schönsten planetarischen Nebel am Himmel. Bei jeder Vergrößerung mit und ohne UHC-Filter deutlich. Bei 98x mit UHC-Filter und 190x bei gleicher Ausstattung am besten. Die markante Bohnenform ist mit indirektem Sehen deutlich. Überall lassen sich Strukturen erhaschen. Dabei fällt besonders der knotige helle Nordteil auf. Was für ein Objekt! Am Südrand - teilweise noch im Nebel steht der helle Doppelstern HJ 1606, der von John Herschel entdeckt wurde. Seine Komponenten sind 9mag bzw 11,5mag hell, und stehen in 18,4" Distanz zueinander. 

Ich habe mir Zeit genommen, und das Objekt in Ruhe gezeichnet. Leider ist die unvoreingenommene Beobachtung aufgrund der zahlreichen Abbildungen und Fotos kaum möglich. Trotzdem habe ich versucht, nur das zu zeichnen, was wirklich sichtbar war. Die Details sind leicht überhöht dargestellt, um die strukturelle Vielfalt des Objektes zu zeigen.

NGC 7008 nach Beobachtung mit 8" f/6 Newton bei 190x + UHC-Filter

Wegen stärker werdendem Nebel wurde nun auch der Zenitnahe Himmel etwas beeinträchtigt. Die Grenzgröße lag noch bei 6m2.

M 31 - G280 (Gc) (And) 14,2mag

Trotz schlechterer Bedingungen blickweise erhascht. Ziemlich einfach aufzusuchen, aber nur bei 190x und indirekter Sicht aufgeblitzt. Erscheint wie ein schwacher Stern.

Nach dieser Nacht war ich natürlich ziemlich durchgefroren, aber sehr zufrieden mit meinen Sichtungen. Die nächste klare Nacht kann kommen...

Clear Skies
Matthias


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