Der Komet Ikeya-Zhang(C/2002 C1)

Die Entdeckung:

Der Komet Ikeya-Zhang wurde am 1. Februar 2002 von Kaoru Ikeya und Daqing Zhang entdeckt. Sie spürten ihn unabhängig von einander im Herbststernbild Cetus (Walfisch) auf, welches zu diesem Zeitpunkt seine Sichtbarkeit am abendlichen West-Süd-West-Himmel beendete. Dem entsprechend, konnte der Komet anfangs nur schwierig in der Abenddämmerung ausgemacht werden, doch schon 1 bis 2 Wochen später vermeldeten viele Amateur-Astronomen, dass sie den neuen Kometen als schwachen unförmigen Fleck am Dämmerungshimmel ausgemacht hatten.

Erste Beobachtungen:

Aufgrund der ungünstigen Lage des Kometen weit im Westen, habe ich es lange versäumt, auf die Suche nach ihm zu gehen. Doch mehr und mehr Quellen berichteten von einer positiven Entwicklung des Kometen - endlich mal wieder ein freisichtig erkennbarer Komet für mitteleuropäische Beobachter - wir erinnern uns noch an die furiose Vorstellung die Hale Bopp Ende der 90er Jahre bot.

Ikeya Zhang sollte mein 4.ter Komet werden - Hale Bopp war mein Premiere-Objekt - mein erster Blick durch ein astronomisches Fernrohr!  Linear C/2001 A2 gab zwar im Sommer 2001 ein gutes Feldstecherobjekt ab, aber insgesamt war er nicht so herausragend wie seine berühmten Vorgänger. Linear C/2000 WM1 war zwar mit bloßem Auge erkennbar, jedoch nur auf der Südhalbkugel. Das kurze Gastspiel bei uns , wurde von einer Schlechtwetterperiode ohnehin  verkürzt, und so gelangen mir nur 1-2 Beobachtungen.

Während eines Österreich-Aufenthalts Anfang März 2002, fand ich in Süd-Kärnten exzellente Bedingungen vor. Den Komet hatte ich immer noch nicht gesehen, mir jedoch sein ungefähre Position zwischen Venus und Mars gemerkt. Systematisch scante ich mit meinem 8-Zoll Newton den Himmel, jedoch ohne Erfolg. Eine Freundin aus Kärnten vermeldete zuerst Erfolg. Tatsächlich - beim Blick durch ihr 10x70 Fujinon erkannte ich einen hellen länglichen Nebel - den Kometen! Der Schweif war schon deutlich ausgeprägt und über mindestens 1 Grad verfolgbar. Infolge dessen wurde ich auch mit dem Sucher des Teleskops fündig, und konnte bei 50x einen hellen Kometen im Gesichtsfeld bewundern - eindrucksvoll! Am selben Abend hatte ich, bevor wir fündig geworden sind, schon probehalber einige Sternfeldaufnahmen in der Dämmerung gemacht. Das war am 8. März 2002.

 

8.3.2002 - Abenddämmerung - Ikeya-Zhang ist deutlich am linken Bildrand zu erkennen - oben im Bild der Widder (Aries)

 

8.3.2002 - Nautische Dämmerung - Ikeya-Zhang - der schon "altersschwache" Mars am oberen Bildrand

Je dunkeler es wurde, um so deutlicher und länger wurde der Schweif - nun waren es schon 2 Grad! Als es dann vollends dunkel geworden war, konnten wir den Kometen sogar mit freiem Auge erkennen. Die visuelle Grenzgröße im Zenit lag bei etwa 6m4. Er zeigte sich als kleiner Strich, der sich deutlich vom Umfeld abhob.

Die folgenden Tage bescherten beinahe beängstigend gute Bedingungen, und so wurde jeden Abend mal mehr, mal weniger ausführlicher Blicke auf den Kometen geworfen. Die Horizontsicht war teilweise so gut, das wir den immer noch recht tiefstehenden Besucher selbst einige Zeit nach vollständiger astronomischer Dunkelheit noch beobachten konnten. 

Selbst zu Beginn der Nacht vom 10/11.3.02, in der ich einen Messier-Marathon durchführte, bot Ikeya-Zhang ein ideales Einstiegsobjekt - wunderschön anzuschauen mit unseren 8-Zöllern, aber auch dem großen Fujinon-Fernglas.

Auf dem Weg zum größten Glanz:

Wieder zurück in Deutschland, fand ich mich im gewöhnt wechselhaften Vorfrühlingsklima wieder. 

Erst am 18.3.2002 rissen gegen Abend kurzzeitig die Wolken auf. Gerade genug Zeit, um meine Fotoausrüstung zu schnappen, zu einem Bekannten zu eilen, der an der lokalen Schule Astronomie und Physik unterrichtet, und zu hoffen, das mir ein Blick und das eine oder andere Foto gelingt. Mit meinem 8x50 Feldstecher suchte ich in gewohnter Weise den Himmel ab, der an diesem Tage jedoch schon vom Mondlicht aufgehellt war. Schließlich wurden wir in der hellen Dämmerung fündig. Das uralte Zeiss-Fernglas (10x50?) meines Bekannten, zeigte den Kometen einen Tick heller. Besonders schön war die Lage des Kometen - er passierte in geringem Abstand die Sterne Rho Psc und 94 Psc, wobei er mit ihnen ein fast gleichschenkliges Dreieck bildete. Bevor die Horizontwolken wiederum den Himmel bedeckten gelang mir zumindest ein brauchbares Bild.

18.3.2002 - bürgerliche Dämmerung - der Komet ist markiert - er hob sich zum Aufnahmezeitpunkt kaum vom Hintergrund ab.

Danach war wiederum die Geduld gefragt. Der Mond als auch schlechtes, teilweise sehr dunstiges Wetter verhinderten weitere Sichtungen.

Am 29.3.2002 kündigte sich dann endlich die Schönwetterphase an. Mit meinem Beobachtungskollegen Martin Dietrich begab ich mich zu unserem angestammten Beobachtungsplatz, um einige Aufnahmen zu erstellen. Meinen Zeiss-Refraktor hatte ich mitgenommen, und konnte so eine kleine per Piggy-bag endlich einmal eine "strichspurlose" Aufnahme gewinnen. Die beste Aufnahme des Kometen, die mir überhaupt gelang, wie sich aber erst später herausstellte.

29.3.2002 - Meine beste Ikeya-Zhang-Aufnahme - Die Inset-Collage verdeutlicht noch einmal die Bestandteile des Kometen. Zudem ist schon das nächste Ziel der Reise von IZ am oberen Bildrand als länglicher Nebel auszumachen - M31 - die Andromeda-Galaxie.

Das ab diesem Tag für eine Woche fast stetig gute Wetter erlaubte sehr schön die Beobachtung des Kometen vor dem Himmelshintergrund. Auf der vorherigen Aufnahme findet man ihn ca. 2° südlich von Mirach.

Zum Wetter muss allerdings gesagt werden, das um den ersten April herum die Nächte sehr dunstig waren, und die Grenzgröße auf knapp unter 5m0 sank. Besonders zum Horizont hin machten sich wohl die ersten Blütenpollen des Jahres sehr bemerkbar. So verlief dann die Beobachtung am 1.4.02 auch nicht sehr erfolgreich. Der Komet war zwar gut zu erkennen, aber doch war es kein Vergleich mit der Sicht der Vortage. 

1.4.2002 - Ikeya-Zhang im Dunst über der durch die starke Lichtstreuung überhöhten Lichtverschmutzung der Stadt Brandenburg

Am 2.4.02 fand ich keine Zeit, zu meinem Beobachtungsplatz zu fahren. So postierte ich meinen 8-24x50 Zoom-Feldstecher am Fenster, befestigte meine Webcam vor einer der Linsen, und versuchte den Stern My Andromedae, an dem der Komet am heutigen Tag vorbei ging, anzuvisieren. Das alles gelang erstaunlicher Weise, und so kann man auf dem reichlich nachbearbeiteten und invers dargestellten Bild sogar einen Ansatz des Schweifes erkennen. 

2.4.2002 - Keine leichte Aufgabe, solch ein relativ lichtschwaches Objekt mit einer unmodifizierten Webcam und einem Feldstecher abzulichten.

Der an den darauffolgenden Tagen aufkommende Wind, fegte den Himmel frei vom Schmutz, und so verbesserte sich der Eindruck wesentlich. Die Nächte erreichten wieder Grenzgrößen über 6m2, und luden auch zum visuellen Spechteln ein.

Auf Kurzbesuch bei unserer Nachbargalaxie:

Schon am Abend des 3.4.02, stand IZ nur mehr 2 Grad von der Andromeda-Galaxie entfernt am Firmament. Ich will hier einige Notizen aus meinem Beobachtungsbericht zum besten geben.

Notizen von der Beobachtung am 3.4.2002: ...auch schön - der Anblick durchs 200er Objektiv der Kamera. Ein länglicher Nebelfleck zusammen mit einem ovalen, strahlend hellen. Später habe ich den Kometen, der seit kurzem für die Breite Brandenburgs knapp zirkuumpolar ist, wunderbar mit freiem Auge beobachten können. Die Länge des sichtbaren Schweifes habe ich mit Hilfe von Cassiopeia auf gut 3° geschätzt! Ich warf später noch oft einen Blick über den Tubus hinweg auf den kleinen Lichtstreif....

Meine Aufnahme vom selben Abend zeigt deutlich, wie sich der Kometenkopf auf nur noch 60' an den Stern Ny Andromedae angenähert hatte - dieser wiederum ist auch nur einen ähnlichen Distanzbereich vom Andromedanebel entfernt.

3.4.2002 - Ikeya-Zhang schon recht tief über dem abendlichen Horizont - der verschwommene Sterne auf der Strecke über Ny Andromedae ist M31

Am 4.4.2002 stand er unmittelbar bei M31. Ein umwerfender Eindruck, den ich zusammen mit einigen Beobachtungskollegen bei einem kleinen Teleskoptreffen genießen konnte.

In der Nacht vom 7. zum 8.4.2002 war ich mit einigen Galaxienobservationen beschäftigt, als mir bei flüchtigem Blick auffiel, das der Komet knapp über den Baumwipfeln am Nordhorizont immer noch sichtbar war! Damit war der Komet für die geographische Breite von Brandenburg schon die ganze Nacht über beobachtbar - mit freiem Auge!

Langsamer Abschied:

Nun stieg der Komet langsam immer höher und wanderte schließlich in den hochdeklinierten Cepheus. Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen konnte ich ihn erst am 22.4 wieder beobachten. Der 10 Tage alte Mond erhellte den Himmel, und lies mir wenig Hoffung. Trotzdem fand ich mit meinem 8x50 Feldstecher den Kometen auf Anhieb - in völlig neuem Gewand. Er schien größer und diffuser geworden zu sein, wobei er jedoch sowohl den visuell erkennbaren Teil seines Schweifes, so wie etwas Helligkeit eingebüsst haben muss. Wieder bildete er ein schönes Dreieck - diesmal mit Nu Cephei und 9 Cephei. Mit etwas Anstrengung war er gerade noch freisichtig auszumachen.

Am 26.4 konnte ich dieses Experiment kurz vor dem Übertritt des Kometen ins Sternbild Drache nochmals wiederholen. Wieder war der Komet knapp oberhalb der Freisichtbarkeitsgrenze.

Dies war meine bisher letzte Sichtung des Kometen - seitdem verdecken Wolken den Blick - sollten diese sich jedoch einmal lichten, so wird sich der Schweifstern wohl noch einige Zeit mit optischen Hilfsinstrumenten verfolgen lassen, bis er dann für eine lange Zeit Abschied von den inneren Bereichen des Sonnensystems nimmt. Fast 2 Monate freisichtige Beobachtbarkeit - der Komet mit dem ungewöhnlichen Namen bot eine tolle Show!

Clear Skies 

Matthias Juchert

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